



Sensationell: Blinder wandert von Linz nach Wien
Der 21-jährige Thomas Seidling (im Bild mit Chris Lohner und Licht für die Welt-GF Rupert Roniger, Foto: Licht für die Welt) hat über 230 Kilometer zu Fuß zurück gelegt. Der Donau entlang von Linz bis zum Wiener Badeschiff am Schwedenplatz, wo er am Donnerstag, 15. Juli, eintraf. Besonders daran ist, dass der blinde Jus-Student allein mit seinem Blindenstock, Rucksack und einer gehörigen Portion Solidarität mit blinden Menschen in der Dritten Welt sein Ziel erreicht hat.
Heiß, sehr heiß …
"Ich wollte blinden Menschen in Afrika das Augenlicht schenken!", begründet Thomas Seidling, hochgewachsener Jus-Student aus Linz, die 230 gewanderten Kilometer seit vergangener Woche auf seinem "Donauwalk". Die Hitze hat ihm schwer zugesetzt. Fünf Liter Wasser in einem biegsamen Tank am Rücken haben ihm täglich als Überlebenselixier gedient. Die Erschöpfung ist dem mehrfachen Staatsmeister und Rekordhalter in diversen Schwimmbewerben für blinde Menschen kaum anzusehen, auch wenn er nach seinem Zieleinlauf erst einmal "ausschlafen und entspannen" will.
Die Tücken der Elektronik
Was Thomas Seidlings Benefizaktion auszeichnet ist nicht nur das hehre Anliegen zugunsten der österreichischen Hilfsorganisation "Licht für die Welt", sondern auch die besonderen Voraussetzungen, unter denen er diesen langen Weg bis zum Ziel heute beim Wiener Badeschiff am Schwedenplatz gemeistert hat. Thomas Seidling ist blind und findet seinen Weg mittels Blindenstock und GPS-Gerät. Ein Assistent hat ihm im Vorfeld des Starts vor neun Tagen in Linz wichtige Angelpunkte seiner Wanderroute elektronisch markiert. Frustriert war der in der Steiermark geborene Linzer nur rund ums Kraftwerksgelände bei Zwentendorf. "Meine elektronische Navigation hat mich im Stich gelassen und so bin ich herumgeirrt, bis ich irgendwann im Augebiet gestanden bin", so der Extremwanderer. Ein Jäger hat ihn schließlich zurück auf den Donauweg geleitet.
Der Sinn des Lebens
Begegnet sind dem jungen Mann mit der großen Vision viele Menschen, die sich an ihm ein Beispiel genommen haben. "So manche Weggefährten haben sich nach meiner Geschichte gefragt: Was ist wirklich wichtig im Leben? Einige haben spontan für ‚Licht für die Welt’ gesammelt, um meinem Benefizanliegen einzuhauchen", berichtet Thomas Seidling von den vielen Tagen entlang der Donau. Zielsetzung der Tour von Thomas Seidling war es, für jeden gelaufenen Kilometer die Spende von 30,– Euro für eine Operation am Grauen Star – der häufigsten und heilbaren Ursache für Blindheit in der Dritten Welt – aufzutreiben. Fest steht: Eine ganze Schulklasse voll blinder Menschen in Afrika wird dank der Benefizwanderung von Thomas Seidling das Augenlicht geschenkt bekommen.
Kein Mitleid
Allergisch ist Thomas Seidling beim Thema "Mitleid", das viele Menschen empfinden, nur weil er blind ist: "Ich finde meinen Weg durchs Leben, auch wenn ich da und dort etwas Assistenz brauche. Entscheidend sind meine Ziele und da habe ich schon mehr erreicht als so manch anderer." Mit seinem nächsten Projekt will Thomas Seidling einmal mehr an seine Grenzen gehen: "Ich möchte als erster blinder Menschen auf den Spuren von Charles Lindbergh den Atlantik überfliegen, ihr werdet von mir hören!"
Blog:
Spendenkonto Licht für die Welt: PSK 92.011.650 (Blz. 60.000), Kennwort "Donauwalk"



